Methadonsubstitution

Bei der Methadonsubstitution handelt es sich um eine wissenschaftlich begründete, in der Praxis vielfach evaluierte Methode zur Behandlung einer Opiatabhängigkeit zum Zwecke der Erlangung dauerhafter Abstinenz. Sie integriert sich in eine Vielfalt bereits bestehender Ansatze ambulanter und stationärer Behandlungsmöglichkeiten und versteht sich als eine sinnvolle und praxisnahe Ergänzung.

 

Was ist passiert? Nachdem wir jahrelang gegen Drogen und deren unkontrollierte Einnahme gekämpft haben, verteilen wir jetzt solche Substanzen – es gibt nämlich keine großen Unterschiede zwischen Heroin und Methadon – umsonst bzw. auf Kosten der Krankenkassen an die Betroffenen. Ist das nicht die Aufgabe des Zieles Abstinenz, das Kapitulieren vor den übergroßen Problemen, die die Therapie von Drogenabhängigen mit sich bringen? 

Es hat sich in jahrelanger zum Teil leidvoller Erfahrung herauskristallisiert, dass die Forderung,als erstes von den Betroffenen Abstinenz zu fordern, eine Überforderung war und eher eine Verschärfung der Problematik mit sich brachte, als zu deren Lösung beizutragen. Langjähriger Drogengebrauch bringt eine Vielzahl von Problemen medizinischer, sozialer und psychischer Art mit sich, die zum Teil so drängend sind, dass sie im Erleben der Betroffenen im Vordergrund stehen und gelöst werden müssen, bevor man sich an die Therapie der Grunderkrankung machen kann. Zu nennen wäre eine schlechte gesundheitliche Situation aufgrund mangelhafter Ernährung und häufigen Infektionen, eine problematische Wohnsituation sowie die Verstrickung in Kriminalität und Prostitution.

Was kann die Methadonsubstitution hier leisten

(und was nicht)?


Die tägliche Abgabe einer bestimmten Menge Methadon an Drogenabhängige bringt sofort einige unmittelbare Erleichterungen für die Patienten. Zunächst einmal wird das Verlangen nach Heroin gestillt, was die Betroffenen von dem Zwang der täglichen Drogenbeschaffung mit (fast) immer eintretender Kriminalisierung oder problematischer Geldbeschaffung (z.B. Prostitution) befreit. Freiwerdende Geldmittel können für die Ernährung, Kleidung ,Wohnung etc. eingesetzt werden und führen zu einer wesentlichen Stabilisierung und Beruhigung der Situation.

In der Folge können die Betroffenen die gebotenen Therapiemöglichkeiten wie ärztliche Versorgung und Drogenberatung in Anspruch nehmen, was vorher unmöglich war. Die Substitution löst nicht das Problem der Suchterkankung selber. Methadon ist ein Opiat und als solches ein naher „Verwandter“ des Heroin; es macht also genauso abhängig. Also nichts gewonnen? Doch!! 

Zunächst einmal die Erkenntnis, dass die Abstinenz das Ziel ist, dessen Erlangung aus vielen Einzelschritten besteht (und dass Abstinenz nicht die Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Therapiemöglichkeiten ist). Für Drogenabhängige ist die Methadonsubstitution eine reale Chance, erste Schritte für den Ausstieg aus der Krankheit zu unternehmen. Weitere Schritte wie berufliche (Neu-)Orientierung oder z.B. eine Langzeittherapie, um ein Leben ohne Drogen einzuüben, können und müssen folgen.